
Blick auf Nullarbor. Foto Simon Maisch
Ein packender Roadtrip-Bericht von Perth durch das Outback in Westaustralien
Perth, die Hauptstadt Westaustraliens, gefiel mir auf Anhieb. Der Swan River erwies sich als fast so breit wie der Zürichsee. Die Stadt hat ein angenehmes westliches Flair, was ich nach drei Monaten in Südostasien als erholsam empfand.
Glück im Unglück: Eine schicksalhafte Begegnung
Ein Bekannter hatte uns den Kontakt zu einem Australier mit auf den Weg gegeben, der mit seiner Schweizer Freundin in Perth lebte. Wir verstanden uns super – bis die beiden mit ernster Miene gestanden, sie hätten ein echtes Problem. Hatten wir etwa etwas falsch gemacht?
Die beiden grinsten: Sie würden in zwei Tagen für zwei Wochen Ferien nach Thailand fliegen und hätten noch niemanden, der ihre Katze hütet. Ob wir nicht einspringen könnten?
Natürlich nutzten wir gerne die Freiheit, unseren Reiseplan entsprechend aufzuschieben.
Zurück aus den Ferien erzählten unsere Gastgeber sichtlich aufgewühlt, dass sie sich unterwegs massiv geärgert hatten, als sie wegen Überbuchung einen Inlandflug nicht antreten konnten. Später machte in Thailand der Absturz genau dieser Maschine Schlagzeilen. Der Vorfall lehrte mich, eine Situation nicht im Affekt negativ zu beurteilen, auch wenn sie erst mal mit Unannehmlichkeiten einher geht. Man weiss nie, wozu es gut ist.
Mit dem Holden Stationswagen ins Outback
Auf dem Weg nach Norden machten wir einen Abstecher zur Pinnacle Desert. Diese kleine, curryfarbene Wüste ist übersät mit unzähligen, bis zu vier Meter hohen, schlanken Monolithen. Die 25 Kilometer lange, ungeteerte Zufahrt gab uns einen ersten Vorgeschmack auf die Strassenverhältnisse abseits der Hauptrouten. Wir holperten im Schritttempo über ein Meer von Querrinnen und fürchteten dennoch, dass sich alle Schrauben am Wagen lösen würden.
Die Karre hielt zum Glück, was der Verkäufer versprochen hatte. Und die erste Nacht auf der Matratze hinten im Stationswagen erwies sich als bequem.
Die endlose Weite Westaustraliens erfahren
Zwei, drei Tage und einige Sehenswürdigkeiten später wurde klar: Wir hatten das echte Outback erreicht. Wir fuhren durch flimmernde Hitze. Prompt platzte ein Reifen auf dem gnadenlos von der Sonne beschienenen Asphalt.
Ab und zu sah man einen einsamen Briefkasten bei einem Abzweiger, der scheinbar am Horizont im Nirgendwo endete. Ansonsten unterbrach nur alle rund 300 Kilometer eine Tankstelle mit Caravanpark und Pub die Einöde.
Ich war tief beeindruckt, ja erschüttert über die Relativität von 300 km. In der Schweiz fährt man vom einen zum anderen Ende des Landes gerade mal 350 km (Genf bis St. Margrethen). Im Norden Westaustraliens hingegen fährt man tagelang durch die endlose Weite des Landes. Dabei waren wir noch nirgends auf dem Weg nach Darwin. Ausserdem: Von Darwin aus grüsste wiederum das Outback, egal in welcher Fahrrichtung.
Die Freiheit drohte in der glühenden Mittagshitze dahin zu schmelzen. Die Monotonie sorgte für tranceähnliche Zustände. Wir gaben klein bei und kehrten zurück nach Perth.
Kursänderung: Von Perth nach Adelaide
Mit frischem Mut und neuer Entschlossenheit brachte uns der zweite Anlauf auf den Weg nach Adelaide, das «nur» 2700 km von Perth entfernt liegt (nach Darwin wären es 4000 km).
Der Entscheid erwies sich als richtig. Unterwegs gab es fantastische landschaftliche Sehenswürdigkeiten zu entdecken: Tropfsteinhöhlen, imposante Gesteinsformationen, Weinanbaugebiete, gigantische Baumriesen, Salzseen und mehr.
Der magische Moment am Nullarbor-Kliff
Ein Bild hat sich über die Jahrzehnte besonders stark in meinem Gedächtnis verankert. Ein Aussichtspunkt am Nullarbor. Das Felsenkliff fällt dort über viele, viele Meter senkrecht in die Tiefe. Das Meer ist so unendlich weit, dass die Rundung der Erde visuell wahrnehmbar scheint.
Nie zuvor fühlte ich mich derart winzig wie ein Partikel der grossen Schöpfung. Es war ein Zustand des puren Seins, losgelöst von allem, aber voller Potenzial.
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