
Foto Finn Ijspeer
Das Leib-Seele-Problem spaltet die Wissenschaft seit Jahrhunderten. Aktuell ist Dualismus out. Der Panpsychismus erlebt ein Comeback.
Ob Schwarz und Weiss, Gut und Böse oder Schön und Hässlich: Als Dualismus werden zwei unterschiedliche, voneinander unabhängige Grundelemente bezeichnet, die in einem Spannungsverhältnis oder sogar Gegensatz zueinanderstehen. Unsere Welt ist geprägt von Extremen und all ihren Schattierungen dazwischen. Wir erleben diesen Dualismus im Alltag als Tatsache. Dennoch stellt sich die Frage: Ist diese Trennung real oder nur Teil einer Illusion, in der wir leben?
Suche nach Zusammenspiel von Körper und Geist
Insbesondere die Wissenschaft beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Körper und Geist interagieren. Kann das Materielle ohne das Mentale existieren – und umgekehrt? Oder handelt es sich letztlich um dasselbe Prinzip, das sich lediglich in unterschiedlichen Ausprägungen zeigt? Dieses uralte Leib-Seele-Problem ist bis heute nicht gelöst.
Im Laufe der Zeit haben zwei philosophische Herangehensweisen mal mehr, mal weniger Beachtung erhalten: Dualismus und Monismus.
Was zeichnet den Dualismus aus?
Im klassischen Dualismus sind Geist und Körper als grundsätzlich unterschiedliche Einheiten miteinander verbunden und wirken aufeinander ein. Diese dualistische Sichtweise ist aktuell nicht sonderlich populär.
Der amerikanische Philosoph John Rogers Searle vermutet dennoch, dass der Dualismus nicht ganz verschwinden wird, «auch wenn er unmodern geworden ist». Die Einsicht, die den Dualismus antreibt, sei schlicht zu kraftvoll. Sehr vereinfacht lautet sie: «Wir haben alle echte bewusste Erlebnisse und wissen, dass sie nicht von der gleichen Art sind wie die physischen Gegenstände um uns herum.»
Der Monismus auf dem Vormarsch
Seit rund hundert Jahren dominieren Interpretationen des Monismus – also der Überzeugung, dass alles, was existiert, auf ein und demselben Grundprinzip beruht. Insbesondere asiatische Philosophie-Traditionen teilen diese metaphysische Ansicht und betrachten die strikte Trennung von Körper und Geist als rein illusionär.
Stellt sich die Frage, was dieses eine Ding ist, das allem zugrunde liegt. Die Ansicht darüber hat sich im Lauf der Zeit gewandelt.
Vorherrschend im westlichen Kulturkreis war bis Ende des 20. Jahrhunderts die monistische Sichtweise, dass alle Objekte, Eigenschaften und Ereignisse als rein physikalische Phänomene beschrieben werden können.
Das Problem dabei? Eine umfassende physikalische Formel dafür fehlt bis heute. Die rein physikalische Natur als Basis für den Monismus erhielt denn auch eine klare Absage vom deutschen Physik-Nobelpreisträger Max Planck (1858–1947). Er stellte fest: «Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält. Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten, intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie.»
Was ist Panpsychismus? Das grosse Revival
Plancks wegweisende Ansicht hat in den letzten 10 bis 20 Jahren zu einem Revival des sogenannten Panpsychismus beigetragen. Panpsychisten verneinen die dualistische Trennung von Geist und Materie. Sie sind der Auffassung, dass Materie ihrer Natur nach nicht nur rein physisch ist. Vielmehr sehen sie das Bewusstsein als den eigentlichen Träger aller physischen Wechselwirkungen.
Das komplexe menschliche Bewusstsein (und das von Tieren, Pflanzen und all dem, was lebt) wird dabei als eine Aggregation, also als Zusammenschluss einer Vielzahl von fundamentalen Bewusstseinsformen verstanden.
Die faszinierende Schlussfolgerung daraus: Wenn alles von Bewusstsein durchdrungen ist, wäre auch das Universum selbst in der Lage, sich seiner selbst bewusst zu sein.
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